Mittwoch, 22. August 2012

[Rezension] Donna Freitas - Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Mich begeistern die neuen Jugendbücher bzw. die Autoren ja momentan so sehr! Da fühle ich mich selbst nochmal richtig "jung"...

"Früher habe ich Musik über alles geliebt. Ich wusste immer über die neuesten Bands Bescheid und habe mir ständig irgendwelche Playlists zusammengestellt. Momentan versuche ich, meine unfreiwillige Aversion gegen Musik zu überwinden.[...]" (S. 155)

Eine wunderschöne Geschichte: Rose Madison ist 16 Jahre alt und musste schon einen der schwersten Schicksalsschläge hinnehmen - ihr Mutter verstarb, an Krebs. Seit dem befindet sich Rose in einer Blase, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt. Stattdessen zieht sie sich immer weiter von ihren Freunden zurück, gibt das Cheerleading auf und lässt auch ihren Freund Chris nicht mehr an sich heran. Die einzigen Personen, die zu ihr durchdringen können sind ihr Vater, ihr Bruder Jim und ihre beste Freundin Krupa.
Doch dann passiert etwas, mit dem Rose nicht gerechnet hat - sie findet eines der berühmten Survival Kits ihrer Mutter und das am Tag der Beerdigung. Rose weiß nicht wohin mit ihren Gefühlen und verdrängt den Fund erst einmal. Wochen später fasst sie aber den Entschluss sich dem Survival Kit - und damit ihrer Trauer - zu öffnen.
Leider ist ihr Weg wahrlich nicht einfach. Ihr Freund Chris versucht immer wieder für sie da zu sein und die Beziehung aufrecht zu erhalten. Dies stellt sich jedoch als sehr schwer da, weil Rose sich immer noch nicht öffnen will. Und auch die Problematik rund um ihren Vater macht ihr sehr zu schaffen.
Stattdessen ist mit dem Öffnen des Survival Kits ein neuer Mensch in ihr Leben getreten, der es in sehr kurzer Zeit auf den Kopf stellt: der 17 Jahre junge Will Doniger, der bis jetzt nur als Gärtner ausgeholfen hat. Er musste fast das gleiche Schicksal erleiden, sein Vater ist ebenfalls einige Jahre zuvor an Krebs gestorben. Ob Will nun Rose durch die schwere Zeit helfen kann?



Der Stil ist einzigartig: so beginnt jedes Kapitel mit einem Song (hier eine Leseprobe), auf das folgende Kapitel zugeschnitten. Man merkt schnell das die Musik eines der zentralen Themen ist, die Rose beschäftigen. Manchmal hatte ich das Gefühl, das die Songs extra für das Buch geschrieben worden sind. Eine vollständige Liste findet sich am Ende des Buches, die man sich mit Spotify auch fast komplett anhören kann (36/40 Songs). Zudem ist das Buch in vier Abschnitte gegliedert, die sehr schon Roses "Heilungsprozess" darstellen. Jeder Abschnitt für sich beschreibt eine weitere Etappe auf ihrem Weg, bis fast ein komplettes Jahr vergangen ist. Die Aufschlüsselung des Survival Kits erfolgt zwar erst gegen Ende des Buches, aber macht durchaus Sinn. Schließlich dauert eine solche Trauerzeit auch...
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive und ehrlich gesagt hätte auch keine andere gepasst. Donna Freitas hat durch ihren eigenen Stil einen wunderbaren Einblick möglich gemacht. Ich habe mich immer mit Rose verbunden gefühlt, auch wenn sie egoistisch, naiv oder stur war. Der ganze Charakter ist so ausgearbeitet, das alles schlüssig wirkt. Ebenso wurden die anderen Charaktere mit viel Liebe und Gedankengut gestaltet, sie harmonieren sehr gut zusammen und funktionieren aber auch allein gesehen.

Wieder ein durchweg positives Fazit: Donna Freitas hat mit diesem Buch eine Geschichte aufgeschrieben, die ich nur jedem ans Herz legen kann. Auch wenn es um das Thema Tod geht, so ist es der Autorin dennoch gelungen nicht nur beklemmend, sondern auch befreiend zu schreiben. Ihr gelingt dies mit einer Leichtigkeit, die zeitgleich tiefgründig ist. Einfach eine perfekte Mischung und keinesfalls kitschig!


Note: (97%)


Allgemeine Infos:
- Wie viel Leben passt in eine Tüte? (orig. Survival Kit) von Donna Freitas
- erschienen im August 2012 beim Gabriel Verlag/Thienemann Verlag
- ISBN-13: 978-3522303125
- Hardcover mit 400 Seiten (18,95 Euro) 
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: LovelyBooks 

Kommentare:

  1. Das Buch MUSS ich auch bald lesen. Hört sich super an!

    PS: Ich glaube die Fische kann man füttern, bis man schwarz wird :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bzgl. Fische - mein Männe meckert immer, wenn ich meinen eigenen zu viel gebe :D

      Löschen