Freitag, 17. August 2012

[Rezension] Ralf Husmann - Nicht mein Tag

Ein Banküberfall, ein Angestellter als Geisel, ein durchgeknallter Entführer - diese Mischung ergibt "Nicht mein Tag".

"Miriam, die ihren Schmuck auf den Nachttisch legt und ihre Hände eincremt vor dem Schlafen. Die kleinen Nachtlichter in den Steckdosen, falls Nico aufwacht und Angst hat und ins Zimmer seiner Eltern kommen will. Das ist seine Welt, dafür ist Till gemacht, das will er die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre machen [...]" (S. 140, f.)

Doch Till wird dies in den nächsten Tagen nicht erleben. Und vielleicht auch danach nicht mehr...
Die Story ist schnell erzählt - Till Reiners arbeitet in einer Bank, ist 38 jahre alt, verheiratet mit Miriam, 36 Jahre, und die beiden haben seinen Sohn namens Nico, 4 Jahre alt. Eigentlich sollte Till glücklich sein, doch irgendetwa fehlt ihm. Da kommt ihm seine Kollegin Jessica nur recht, die mit ihrem sexy Aussehen und Auftreten Tills Fantasie ordentlich anregt. Doch Interesse scheint sie nicht zu haben, vielleicht müsste Till an sich etwas ändern...
So weit kommt es allerdings garnicht erst, denn bevor Till sich der Situation überhaupt richtig bewusst wird sitzt er in seinem Auto neben Nappo, seinem Entführer. Dieser hat beim Banküberfall ca. 30.000 Euro erbeutet und ist nun mit Till als Geisel auf der Flucht. Aber auch hier verläuft einiges anders wie geplant. Nappo ist kein sehr umgänglicher Zeitgenosse, eher ein Choleriker der höchsten Art. Das passt natürlich überhaupt nicht zu Till, der seine leidenschaftlichen Gedanken lieber für sich behält. Trotzdem scheint zwischen den beiden eine Art Verbindung zu existieren, die man sogar schlicht als das Stockholm-Sydrom bezeichnen kann.
Das die beiden sich des öfteren uneinig sind und der Banküberfall nicht die einzige kriminelle Tat bleibt, ist von Anfang an klar...



Mich konnte der Stil leider nicht überzeugen. Sicherlich, der Humor ist vorhanden. Aber mehr als ein wages Schmunzeln kam bei mir nie. Dabei schaue ich die Serie Stromberg sehr gerne und schließlich ist Ralf Husmann der Autor. Doch was, was in der Serie wunderbar funktioniert, funktioniert meiner Ansicht nach nicht im Buch. Der ganze Erzählstil hat eine Art an sich, die sich schwer beschreiben lässt. Ich empfand ihn teilweise sogar eher als Drehbuch und nicht Roman (kann aber auch täuschen, aufgrund der Hintergrundinformationen bezüglich Ralf Husmann). Die Sätze kommen manchmal etwas abgehackt daher.
Positiv anzumerken ist die Kapitellänge und die Ausarbeitung der Charaktere. Nur kommen diese leider nicht so zum Zug, wie man sich das am Anfang noch vorstellt.
Es gibt verschiedene Erzählstränge, der Hauptteil liegt bei Till als Protagonist. Die "Zwischenkapitel" über Tills Frau Miriam, seine Kollegin Jessica und Kommisar Kurt Bergmeister haben keine strikte Reihenfolge, sie sollen wohl eher der Überbrückung zwischen den Ereignissen der Flucht dienen. Ich empfand sie meist (nicht immer) als eher störend. So konnte ich Miriams Part noch nachvollziehen, aber nicht den des Kommissars oder den von Jessica...

Mein Fazit: wer hier ein Buch ganz nach Tommy Jaud sucht, der muss leider weitersuchen. Wer den trockenen Humor von Stromberg mag, kann das Buch gerne lesen. Direkt empfehlen würde ich es nicht, aber auch nicht davon abraten. Als "sinnfreie" Lektüre für zwischendurch ist es okay.


Note: (34%)


Allgemeine Infos:
- Nicht mein Tag von Ralf Husmann
- erschienen im Jahr 2008 beim Fischer Taschenbuch Verlag
- ISBN-13: 978-3596174782
- Taschenbuch mit 336 Seiten (8,95 Euro/Neuauflage 5,99 Euro), Kindle Edition (3,99 Euro) oder Audio-Book (12,95 Euro) 
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: keine

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