Donnerstag, 6. September 2012

[Rezension] Karen Witemeyer - Sturz ins Glück

"Hitze stieg Adelaide in die Wangen, doch sie hielt den Kopf hoch erhoben. Sie war noch nie stolzer gewesen, am Arm eines Mannes geführt zu werden. Gideon war gut aussehend und bezaubernd, rücksichtsvoll, aufmerksam und gütig - und britisch! All diese Jahre hatte sie mit Jane Austens Romanen gelebt und jetzt erlebte sie ihren eigenen. Was konnte großartiger sein als das?" (S. 131)

Zur Story: Adelaide Proctor ist Lehrerin, sehr gläubig und auf der Suche nach ihrer großen Liebe. Diese glaubt sie auch in Henry, einen reisenden Kaufmann, gefunden zu haben. Wild entschlossen ihm einen Heiratsantrag zu entlocken, reist sie ihm nach Fort Worth nach. Doch dort angekommen muss Adelaide feststellen, dass Henry bereits Frau und Kind hat.
Adelaide ist tief bestürzt, hat sich doch alles aufgegeben um sich ihre Mädchenträume zu erfüllen! Doch sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen und bewirbt sich kurzerhand als Privatlehrerin auf einer Farm außerhalb der Stadt.
Diese Farm gehört Gideon Westcott, eigentlich ein alleinstehender Mann. Doch das Schicksal hat ihm eine Ziehtochter beschert. Auf der Überfahrt von England nach Amerika verstarb die Mutter des kleinen Mädchens und Gideon soll sich nun um sie kümmern. Doch leider stellt sich dies als wesentlich schwerer heraus, wie gedacht - seit dem Tod der Mutter spricht das Mädchen Isabella kein Wort mehr.
Bereits beim ersten Zusammentreffen von Adelaide, Gideon und Isabella wird schnell klar: es scheint sich ein unsichtbares Band zwischen den dreien zu befinden. Doch das Schicksal meint es immer noch nicht gut mit ihnen, es stehen weitere Prüfungen bevor, die besonders Gideons und Adelaides Glauben in Frage stellen...



Der Stil: Ganz im Sinne von Texas im Jahre 1883, orientiert sich der Roman an den sprachlichen Gepflogenheiten von damals. Dies verleit dem Buch einen gewissen Charme, der sehr zum positiven Lesefluss beiträgt. Mir fiel es nicht eine Sekunde lang schwer, mich in die entsprechenden Personen hinein zu versetzen. Karen Witemeyer hat dem Roman durch die liebenswerte aber auch tollpatschige Protagonistin eine Leichtigkeit verschafft, wodurch die Seiten nur so dahin geflogen sind. Anfangs scheint es eine reine Liebesgeschichte zu werden, ändert sich dies im Laufe jedoch und die Spannung steigt immer weiter.
Die Kapitel sind meist recht kurz gehalten und knüpfen auch meist direkt aneinander an. Mal sieht man die Welt aus Adelaides Sicht und dann wieder aus Gideons, aber ohne dabei den Ich-Erzähler zu verwenden. Ein großes Lob dafür, ich habe bisher kaum ein Buch gelesen bei dem dies so gut umgesetzt worden ist.

Mein Fazit: Ein wunderschön geschriebenes Buch, über eine Zeit mit der ich bisher nicht viel anfangen konnte. Doch Karen Witemeyer hat es geschafft, sowohl die verschiedenen Themen (u.a. Glaube, Liebe, Gesellschaft) sehr glaubwürdig darzustellen. Es gibt keine Ungereimtheiten oder offene Fragen wie es bei historischen Romanen durchaus schon mal vorkommen kann. Das gesamte Buch ist in sich geschlossen und auf jeden Fall eine Empfehlung!


Note: (95%)


Allgemeine Infos:
- Sturz ins Glück (orig. 'Head in the Clouds') von Karen Witemeyer
- erschienen im August 2012 beim Francke Verlag
- ISBN-13: 978-3868273359
- Taschenbuch mit 296 Seiten (12,95 Euro)
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: LovelyBooks

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen