Mittwoch, 24. Oktober 2012

[Rezension] Rudolph Wurlitzer - Zebulon

Gewonnen habe ich dieses Buch durch eine Aktion von BloggdeinBuch.de und dem Residenz Verlag.
Jeder Blogger hatte die Möglichkeit sich dafür zu bewerben und am Ende wurden 20 Blogger ausgewählt, die das Buch bekommen haben. Die besten/einfallsreichsten/schönsten Rezensionen erhalten zudem zusätzlich einen Gewinn, wieder vom Residenz Verlag bereitgestellt.

"Delilah, Hatchet Jack, gefangen zwischen den Welten? Egal. Und egal auch, was seine Mutter, sein Vater oder irgendwer sonst gesagt oder gedacht oder getan hatte. Von jetzt an würde jede Hölle, die auf ihn wartete, eine sein, die er sich selbst ausgesucht hatte." (S. 119, f.)

Die Story: Zebulon Shook ist kein gewöhnlicher Cowboy. Er selbst würde sich wohl eher als Trapper bezeichnen, ist er doch in den Bergen groß geworden. Dort lebte er mit seinen Eltern und seinem Ziehbruder Hatchet Jack, einem Halbblut den sein Vater beim Pokerspiel gewonnen hat. Die beiden wachsen zwar zusammen auf, dennoch bezeichnen sie sich nicht als Brüder.
Nachdem Zebulon eines Tages sein zu Hause einfach verlässt, beginnt sein Leben als Verbrecher und Gesuchter.
Doch allein ist er nie wirklich, auf seinen Reisen begegnet ihm nicht nur immer wieder Hatchet Jack, sondern auch die mystische Delilah und ihr Ehemann Graf Ivan Baranofsky.
Ich hab mir zur Vereinfachung eine Zeitlinie gebastelt - die folgende Grafik beinhaltet Spoiler!!




Der Stil: Eigen. Durch und durch eigen. Ich werde mal versuchen auf die verschiedenen Themen einzugehen, ohne dabei zu viel zu verraten. Vorweg: die Geschichte wird von einem Er-Erzähler "berichtet" und hat eine gute Aufteilung was Absätze und Kapitellänge angeht.
Wie der Klappentext schon verrät, geht es bei Zebulon vor allem um das Mythische. Die Geschichte spielt zur Beginn der großen Goldsuche in Amerika, dementsprechend finden sich immer wieder Indianer im Buch. Einer von ihnen ist Plaxico, ein quasi stetiger Begleiter. Er versucht Zebulon und die anderen den richtigen Weg zu weisen oder es ihnen zumindest so erscheinen zu lassen. Dabei kommen verschiedene Rituale, Sprachgesänge und Drogen zum Einsatz. Alleine diese Passagen sind schon höchst interessant zu lesen. Sie erinnern mich immer an das typische Indianerbild, das man aus Filmen kennt (nur ohne den Kopfschmuck).
Was aber garnicht typisch erscheint, sind die Cowboys. Denn diese gibt es so garnicht, jedenfalls nicht in dem Buch. Saloons und leichte Mädchen, Alkohol und Kartenspiele - diese Dinge bestimmen scheinbar, mal vom Goldrausch abgesehen, das Leben der Menschen. Es gibt kein Gut oder Böse, sondern fast nur das Böse. Selbst die Gesetzeshüter haben eine negative Aura. Dennoch hat der Autor es geschafft, alles sehr glaubwürdig erscheinen zu lassen. Die Charaktere, so böse sie auch sein mögen, sind in sich schlüssig und man kann (fast immer) nachvollziehen, was in den jeweiligen Köpfen vor sich geht. Eine Ausnahme macht da Delilah. Doch was wäre eine Frau ohne Geheimnisse ;)
Ein besonderes Element sind die vielen Lieder, die von Delilah vorgetragen werden. Diese sind fast ausschließlich auf Englisch und bleiben ohne Übersetzung. Dennoch ist es wichtig diese nicht einfach zu überfliegen, tragen sie doch immer einen guten Teil zur Geschichte bei.
Zu den Charakteren wollte ich erst noch etwas schreiben, habe mich nun aber doch dagegen entschieden. Nicht das es unmöglich ist, aber ich würde damit einfach viel zu viel vorwegnehmen, und das möchte ich einfach nicht. Wer sich auf das Buch einlassen möchte, sollte offen sein - für alles!

Mein Fazit: Ein psychedelischer Western. Das trifft zu fast 100% auf das Buch zu. Oft habe ich mich beim Lesen gefragt, ob die damalige Zeit wirklich voller Aberglaube steckte und
Das Buch ist einfach so eigen, das ich garnicht richtig weiß wie ein Fazit ziehen oder es bewerten soll. Nach meinem eigenen Maßstab tendiere ich zwischen zwei bis fünf Legomännchen. Denn einerseits bin ich total begeistert und dann aber auch wieder so verwirrt durch das Gelesene...
Da sich aber jeder selbst ein Bild machen muss (und das geht bei diesem Buch wirklich nicht anders), kann ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen.


Note:


Allgemeine Infos:
- Zebulon (orig. 'The Drop Edge Of Yonder') von Rudolph Wurlitzer
- erschienen am 25. September 2012 beim Residenz Verlag
- ISBN-13: 978-3701715961
- Hardcover mit 304 Seiten (22,90 Euro) oder als Ebook (12,99 Euro) bei Amazon kaufen
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: keine, BloggdeinBuch.de

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