Donnerstag, 4. Oktober 2012

[Rezension] Tanja Langer - Der Tag ist hell, ich schreibe dir

Ein außergewöhnlicher Roman mit einer außergewöhnlichen Beziehung zweier außergewöhnlicher Menschen, mit einer wahren Geschichte als Hintergrund...

"Für Helen war es, als öffnete sich in ihrem gewöhnlichen Leben, das von vielen Ereignissen und Gefühlen erfüllt und ihr meistens recht unübersichtlich vorkam, eine Schneise, in der sie sich sammelte und konzentrierte. Die klare, manchmal zärtlich kratzende Stimme Julius Turnsecks, sein Interesse an ihren Belangen, die Art, mit der er intellektuelle Fragen erörterte und sie "konsultierte", gaben ihr ein Gefühl der Achtung und der Sicherheit. Es entwickelte sich eine eigene Intimität, obwohl sie sich weiterhin siezten und eine respektvolle, geheimnisvolle Distanz wahrten." (S. 122)

1982: Die Geschichte dreht sich um Helen und Julius. Sie ist 19 und macht gerade ihr Abitur als sie den 52 Jahre alten Julius in einer politischen TV-Show kennenlernt. Das ungleiche "Paar" ist sich auf Anhieb sehr sympathisch und sie "freunden" sich an. Als richtige Freundschaft kann man es allerdings nicht bezeichnen, viel mehr ist Julius an der Denkweise von Helen interessiert. Diese entspricht ganz dem damaligen Zeitgeist - jung, aufgeschlossen, wild, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Julius dagegen ist das zweite Mal (glücklich) verheiratet und hat eine Tochter aus erster Ehe und eine Tochter aus zweiter Ehe. Helen ist für ihn sein sogenannter "Think Tank", sein Input und seine Zuflucht vom alltäglichen Leben. Denn dieses ist sehr stressig, er arbeitet bei einer großen deutschen Bank und ist auch international tätig. So haben Helen und er nicht viel Zeit sich zu treffen.
Am Ende, dies kann ich schon vorwegnehmen, stirbt Julius bei einem Attentat, nur wenige Wochen nachdem die Mauer geöffnet wurde. Helen versucht nun, im Jahre 2009, heraus zu finden was damals wirklich passiert ist.



Zum Stil gibt es einiges zu sagen - leider auch Negatives. Denn ich glaube fast alle in der Leserunde bei LovelyBooks hatten Probleme mit den Zeitsprüngen. Diese kommen nämlich so unverhofft, dass ich einige Male wirklich den Satz mehrfach lesen musste. Ich bin mir jetzt auch immer noch nicht sicher, wann was in Helens Leben geschehen ist. Denn mal schreibt sie aus der Ich-Perspektive und dann geht es aber direkt über in einen Er-Erzähler. Und dieser springt zusätzlich in den Zeiten. Man erfährt viel über Helens Gedanken, die sich durch Briefe an Julius offenbart.
Auch ist das Buch an sich schon sehr anspruchsvoll. Allein das Thema verbietet es, "einfach mal so nebenbei" zu lesen. Viele politische aber auch philosophische Themen werden angesprochen und von den beiden diskutiert. Wenn man sich garnicht auskennt, ist es schwer dem Ganzen zu folgen.

Mein Fazit: Auch wenn das Buch streckenweise sehr schwer war, ich bereue es nicht es gelesen zu haben. Tanja Langer hat einen wirklich interessanten und intellektuell anspruchsvollen Roman geschrieben. Ob ich ihn allerdings weiterempfehlen kann, weiß ich nicht so recht. Ich würde es nur tun, wenn ich genau wüsste das derjenige die Geschichte auch versteht. Und das wird - leider - nicht bei Jedem der Fall sein.


Note: (84%)


Allgemeine Infos:
- Der Tag ist hell, ich schreibe dir von Tanja Langer
- erschienen am 23. August 2012 bei LangenMüller
- ISBN-13: 978-3784433059
- Hardcover mit 408 Seiten (19,99 Euro) oder Kindle Edition (15,99 Euro)
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: LovelyBooks

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