Samstag, 15. Juni 2013

[Rezension] Wolf Serno - Die Medica von Bologna

Die Story: Carla wird 1552 in Bologna (Italien) geboren und hat schon als Kind das Gefühl, das etwas mit ihr nicht stimmt. Und leider wird ihr das auch schon sehr früh gezeigt, durch die Kundinnen ihrer Mutter. Diese schrecken vor Carla zurück, da sie das "Mal des Teufels" trägt (ein so genanntes Feuermal, welches ihr Gesicht zur Hälfte bedeckt).
In dieser sehr christlichen Zeit ist es für ein Mädchen wie Carla nicht einfach. Auch nicht, nachdem sie von ihrer Mutter das Schneiderhandwerk erlernt hat und sich sogar mit einem ehemaligen Nachbarsjungen namens Marco verloben konnte.
Carla will mehr, sie will nicht nur einfache Hausfrau und Mutter werden. Da kommt es ihr ganz recht, das Marco Medizin studieren will. Schnell merkt Carla wie interessant dieses Thema ist und schleicht sich sogar auf den Campus - auch wenn dies den Frauen untersagt ist. Marco bringt sie dazu, bei den Nonnen im Kloster als medizinische Hilfe zu arbeiten. Doch auch diese Arbeit erfüllt sie nicht, Carla will immer mehr. Nachdem Marco tragisch ums Leben gekommen ist, ist Carla auf sich allein gestellt... doch sie weiß, wie sie etwas aus ihrem Leben machen kann und will.


Der Stil: Carla erzählt ihre Geschichte durch die Ich-Perspektive. Man merkt schnell, dass Carla ihren ganz eigenen Kopf hat und so garnicht mit ihrer Umwelt im Einklang steht. Ihre Gedankenwelt ist eine ganz andere, sehr fortgeschritten aber dennoch unreif. Mal handelt sie wie ein Kind, dann wiederum wie eine erwachsene Frau.

Das Buch ist in drei große Abschnitte aufgeteilt - Marco, Gaspare und Latif. Die Männer, die Carlas Leben bestimmt und beeinflusst haben. Jeder Teil enthält Unterkapitel, die - wie früher üblich - mit einem größeren verzierten Buchstaben beginnen. Der Kapitelname ist jeweils in zwei Sprachen zu lesen, Deutsch und Latein. Und Latein ist in diesem Buch ein großer Bestandteil, wenig wunderlich da es um die Medizin geht. Mich hat nur verwundert, das es keinerlei Übersetzungen zu den Auszügen gibt (auch nicht für die italienischen). Zwar helfen Carlas Gedanken ein wenig beim Übersetzen, aber mir fehlt die "richtige" Übersetzung trotzdem.
Die anderen Charaktere wie Marco, Gaspare und Latif sind sehr unterschiedlich gestaltet. Jedoch blieb auch hier der Eindruck, dass keiner der Charaktere wirklich richtig ausgereift ist. So erging es mir dann auch mit einigen Handlungsträngen. Sie verlaufen sich, werden teilweise nicht mehr aufgegriffen. Sehr schade, auch wenn es das Buch vielleicht noch mal 200 Seiten dicker gemacht hätte. Es bleiben am Ende dann einfach zu viele Fragen offen...


Mein Fazit: Auch wenn mir das Buch wirklich sehr gut gefallen hat, muss ich ein paar Minuspunkte verteilen. Wie schon gesagt, mir was es fast schon etwas zu wissenschaftlich und da ich nur sporadisch Latein beherrsche waren mir gewisse Passagen doch ein wenig zu viel... auch Carlas Charakter gefällt mir nicht so richtig. Sie ist sehr sprunghaft und scheint kaum Reife zu entwickeln.

Note: (83%)

Allgemeine Infos:
- Die Medica von Bologna von Wolf Serno
- erschienen am 01. März 2012 bei Knaur TB
- ISBN-13: 978-3426500217
- Taschenbuch mit 640 Seiten (9,99 Euro), Hardcover (19,99 Euro), Audiobook (14,99 Euro) oder Ebook (9,99 Euro)
- Reihe: nein
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: keine

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