Dienstag, 13. August 2013

[Rezension] Sam Byers - Idiopathie

Die Story: Weder Katherine, noch Daniel oder Nathan haben es einfach - sie alle sind geplagt von Selbstzweifel und gleichzeitig einer Art narzistischen Ader, die widerrum selbstzerstörerisch ans Werk geht.
Katherine und Daniel haben sich vor gut einem Jahr getrennt und seit dem will Katherine auch keine feste Beziehung. Sie ist über Daniel hinweg. Denkt sie. Doch eigentlich ist alles anders und der gelegentliche Sex mit dem Kollegen erfüllt sie nicht wirklich... ein Schock für sie, nachdem sie einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält. Doch was tun?
Daniel dagegen hat sich direkt in eine neue Beziehung gestürtzt. Die macht ihn jedoch auch nicht glücklicher als die Beziehung zu Katherine. Er fühlt sich unwohl, hat das Gefühl nicht mehr er selbst zu sein. Dazu passend hat seine neue Freundin scheinbar nur merkwürdige Freunde, mit denen Daniel nichts anfangen kann...
Plötzlich taucht in Katherines und Daniels Leben Nathan wieder auf. Keiner der beiden hatte über Monate etwas von Nathan gehört, bis er bei Katherine anruft. Was ist ihm in der Zwischenzeit passiert und warum verhält sich Nathan so merkwürdig? Einer der Gründe ist Nathans Mutter, welche über das was Nathan und seiner Familie passiert ist ein Buch geschrieben hat und nun scheinbar die Karriereleiter erklimmt.
Und was zum Henker ist bloß mit diesen verdammten Kühen los?!


Der Stil: Eigen, sehr eigen. Aber nicht schlecht! Die ersten Kapitel musste ich mich erst daran gewöhnen und war schon ein wenig erleichtert mich in den Stil eingefunden zu haben. Doch dann findet ein Wechsel des Handlungsstranges statt und somit auch des Charakters. Sam Byers hat jedem Charakter seinen eigenen Stil verpasst, auch wenn sie sich um Grunde doch sehr ähnlich sind.
Die Geschichte beginnt mit Katherine, man erfährt wie ihr bisheriges Leben verlaufen ist und das sie damit nicht glücklich ist (auch wenn sie anderen gegenüber dies behauptet). Frech, sarkastisch und ein wenig vulgär - das ist Katherine.
Daniel ist eher der ruhige Typ, ein Businessman der sein neues Leben geniessen möchte. Wären da nicht die Freunde seiner Freundin und das er sich selbst seinem Glück im Weg steht. Denn die neue Beziehung läuft gut, jedenfalls solange er keine Wünsche äußert und sich fügt.
Die Vergangenheit hat Nathan sehr verändert. Nach etlichen Jahren mit Drogen, Feiern und ohne Zukunftsgedanken klinkt sich Nathan aus. Er will und kann so nicht mehr weitermachen und sieht nur einen Ausweg: sich selbst verletzen (ich gehe zwar eher von Selbstmord aus, aber Nathan bestreitet dies). Und in dem Maße wie es Nathan getan hat, hat es nicht nur bei ihm tiefe Narben hinterlassen. Auch seine Familie hat es sehr getroffen, was seine Mutter zum Anlass nimmt sich selbst zu vermarkten. Sie twittert, facebooked und ist überall im Internet unterwegs. Der krönende Abschluss ist ihr Buch, in dem sie über die Situation zu Hause schreibt (seit Nathans Kindheit an). Nathan bekommt von alldem allerdings nicht viel mit, in dieser Zeit ist er in psychatrischer Behandlung.
Für einen Debütroman ist das Buch doch schon sehr "fortgeschritten" was den Stil und die Charaktere betrifft. Alle ähneln sich, sind aber dennoch verschieden. Man erfährt in den jeweiligen Kapiteln was die Charaktere denken. Besonders interessant wird es, wenn sie das erste mal nach längerer Zeit wieder aufeinander treffen. Gerade diese Szenen fand ich super beschrieben/geschrieben.
Die Kapitel sind teilweise nur wenige Zeilen lang oder auch mehrere Seiten. Trotz der drei Handlungsstränge ist mit das Lesen nicht schwer gefallen und ich bin auch nicht durch die Ereignisse durcheinander gekommen.

Mein Fazit: Ein guter Roman, welcher zum Nachdenken anregt oder aber auch einfach gut unterhält. Die Charaktere sind super aufeinander abgestimmt, eine Verfilmung könnte ich mir hier sehr gut vorstellen! Die Briten werden mir immer sympathischer :D

Note: (91%)

Allgemeine Infos:
- Idiopathie (orig. 'Idiopathy') von Sam Byers
- erschienen 24. Mai 2013 bei Tropen Verlag (Klett-Cotta)
- ISBN-13: 978-3608501285
- Hardcover mit 377 Seiten (21,95 Euro) oder Ebook (17,99 Euro)
- Reihe: nein
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: keine

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