Samstag, 10. August 2013

[Rezension] Stephen King - The Green Mile

Ich finde den Film ja schon sehr faszinierend und er gehört auch zu meinen Lieblingsfilmen... aber dann das Buch dazu zu lesen ist immer ein gewagter Akt.
Nicht so in diesem Fall, hier treffen sowohl Buch als auch Film ins Schwarze!

Die Story: Paul Edgecombe wohnt mittlerweile in einem Altenheim, doch kann er seine Vergangenheit einfach nicht ruhen lassen. In den 1930er Jahren war er der Chef eines Gefängnisblocks in Cold Mountain, genauer gesagt dem Block wo nur die Verbrecher untergebracht werden, welche hingerichtet werden sollen.
Paul hat bereits einige Männer die "grüne Meile" - so nennt sich der Weg von den Zellen zur Hinrichtungskammer - entlanggehen sehen, doch als er John Coffey das erste Mal zu Gesicht bekommt ist ihm schnell klar: hier beginnt etwas Außergewöhnliches. Wie außergewöhnlich John Coffey aber wirklich sein kann und das das Böse nicht nur hinter verschlossenen Türen lauert, stellt Paul sehr schnell fest...



Der Stil: Eigentlich war das Buch früher einmal in mehrere Kurzbände aufgeteilt, was zu Beginn der jeweiligen Hauptkapitel auch schnell auffällt. Hier findet sich eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Story, teilweise mit Widerholung der letzten Sätze des vorherigen Kapitels. Getragen wird dieses Erzählstil dabei von einer Rahmenhandlung, die Paul Edgecombes Erlebnisse in seinem Altenheim erzählen. Denn wie bereits damals im Gefängnistrakt, hat er es auch hier mit verschiedenen Charakteren zu tun - und diese sind nicht mehr immer freundlich. Er konstruiert nach und nach die Geschichte um John Coffey in dem er sich an immer wieder neue Begebenheiten erinnert und diese aufschreibt.
Die Charaktere sind auf eine eigene Art herausgearbeitet, die mich bei den früheren Werken von Stephen King jedes Mal auf's neue fasziniert. Man fühlt nicht nur mit ihnen mit, man sieht sie vor sich wie sie agieren und denken. Dabei weiß man eigentlich nicht viel über die Charaktere, einiges bleibt sogar unklar bzw. offen.
Das Buch wirft viele Fragen auf - warum verurteilt man jemanden zum Tode? Kann man es mit sich vereinbaren, obwohl man von der Unschuld überzeugt ist oder sogar beweisen könnte? Wie verändert das arbeiten im Todestrakt das Leben eines Menschen? Auf all diese Fragen findet man Antworten, auch wenn diese nicht immer so aussehen, wie man sich das vielleicht gedacht oder gewünscht hätte. Stephen King zeigt hier eine sehr menschliche und angreifbare Seite derer, die für den Tod von anderen Menschen verantwortlich sind, ohne dabei am Ende selbst den Tod als Strafe zu erleben.
Auch wird die Frage nach einem Gott bzw. einer oberen Macht gestellt, die der Leser allerdings sich selbst beantworten muss. Und auch das finde ich an diesem Buch so interessant - es liefert Antworten, lässt aber dennoch großen Freiraum.
Die Kapitel sind, wie schon erwähnt, in Hauptkapitel aufgeteilt (die früher den einzelnen Bänden entsprachen). Die Länge der Unterkapitel ist recht unterschiedlich, aber dennoch sehr angenehm zu lesen.
Insgesamt hat das Buch einen eigenen aber guten Schreibstil, welcher von dem Leser als sehr angenehm empfunden wird (so war es jedenfalls bei mir).

Mein Fazit: Wie gesagt, bereits den Film fand ich klasse. Und das Buch steht dem natürlich in nichts nach. Man bekommt zusätzliche Hintergrundinformationen und versteht besser die damalige Zeit und warum man John Coffey überhaupt zum Tode verurteilt hat. "The Green Mile" liefert viel Gesprächsstoff und sollte ruhig auch mal in der Schule als Titel vorgestellt werden - ich hätte mich gefreut!

Note: (98%)

Allgemeine Infos:
- The Green Mile von Stephen King
- erschienen 1996 bei Blanvalet
- ISBN-13: 978-3453435841
- Taschenbuch mit 576 Seiten (9,99 Euro) oder Ebook (8,99 Euro)
- Reihe: nein, früher in mehrere Bände aufgeteilt gewesen
- Leseprobe: beim Verlag
- Leserunde: keine

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Ehrlich gestanden kenne ich bisher nur den Film, der mir allerdings auch sehr gut gefallen hat. Und für einen King ist das Buch ja nicht einmal soooo dick, wie man es von dem Autor normalerweise gewöhnt ist :D. Das wandert mal auf meine Wunschliste für den nächsten Urlaub, das Buch, denn wenn mein Freund sich den lieben langen Tag mit dem Mountainbike im Bikepark in Leogang austobt, habe ich immer jede Menge Freizeit :).

    Liebe Grüße
    Maria

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